Ein Gefühl der Ohnmacht

Es ist offensichtlich, der Landblogger ist seit ein paar Monaten regelrecht verweist. Auch an anderen Fronten der landwirtschaftlichen Öffentlichkeitsarbeit habe ich mich zuletzt, obwohl eine eigene Facebook-Seite für meinen Betrieb hinzukam, massiv zurückgezogen. Die Gründe sind einfach: auch meine Zeit und Kraft ist begrenzt und diese wurde in der vergangenen rund eineinhalb Jahren komplett durch Arbeit und Familiäres aufgezehrt. Es hat für die Seele auch etwas beruhigendes die elenden Debatten über die Landwirtschaft und unsere Wirtschaftsmethoden einfach einmal auszublenden. Nur leider verhält es sich hiermit genauso, wie mit jeder Art der Realitätsverweigerung: wenn man erwacht, findet man die alten Probleme genauso wieder, wie zuvor. Allein der Berg der alten Probleme hat sich während dieser Zeit noch weiter aufgetürmt und neue Probleme sind obendrein noch hinzugekommen.

 

Insektensterben, Vogelsterben, Düngeverordnung, Kastenstände und obendrein die erneute Debatte um das Glyphosat, tagtäglich prasselt es von allen Seiten auf uns Bauern ein. Wir sind verantwortlich für alles und sollen in Zukunft am besten nichts mehr machen dürfen. Ich bewundere viele meiner Kollegen in den sozialen Netzen, die versuchen eine sachliche, faktenbasierte Debatte zu führen. Doch die Reaktion und Antworten zeigen klar und deutlich, dass es dort nicht um Wissen, nicht um Sachlichkeit, sondern um Glauben, Bevormundung, Rechthaberei und am Ende auch Macht(gefühl) geht. Lange Zeit habe ich geglaubt, dass diese Minderheiten-Meinungen aus den sozialen Netzen nur eine Seite der Medaille sind, die man nicht überbewerten dürfe. Prinzipiell stehe ich nach wie vor dazu, doch werden die dort geäußerten Meinungen immer häufiger auch von unseren regulären Medien aufgegriffen und sickern auf diese Weise immer stärker in die Breite der Bevölkerung ein. Zeitungen, Radio, Fernsehen, Internet, Hörensagen, inzwischen findet der Dauerbeschuss aus allen Richtungen statt. Wie erfolgreich dieses Dauerfeuer ist, sieht man auch an unserer Politik. Bauern als eigene gesellschaftliche Gruppe spielen dort keine Rolle mehr. Landwirtschaft als politisches Themenfeld wird nur noch zum Zwecke der Einschränkungen und Angstmacherei bearbeitet. Selbst dort, wo vereinzelt noch mit kernigen Worten Verständnis für die Landwirtschaft geheuchelt wird, sprechen der Inhalt der Programme oder das tatsächliche Handeln dieser Akteure doch eine ganz andere Sprache. So wie in den anderen Themenbereichen der Politik herrscht auch bei der Landwirtschaft im Großen und Ganzen ein allgemeiner Konsens: kein Glyphosat, ja generell Extensivierung der Landwirtschaft, zu viel Nitrat im Boden, zu viel Tierleid, zu viel Umweltzerstörung, zu giftiges Essen. In einer Gesellschaft, in der Ernährung für viele zu einer Ersatzreligion geworden ist, weil wir 365 Tage im Jahr genügend, qualitativ hochwertige Lebensmittel zu Spottpreisen zur Verfügung haben, fallen solche Angstdebatten auf fruchtbaren Boden.

 

Es ist in gewisser Weise ein Gefühl der Ohnmacht das einem befällt. Die Fülle der Themen und die Macht mit der sie kommuniziert werden, haben inzwischen ein Ausmaß angenommen, gegen das man kaum noch ankommt. Es ist ein echter Kampf gegen Windmühlen. In solch frustrierende Situation, stellt man sich natürlich auch die Frage, wie man persönlich damit verfährt. Soll man selber zur traurigen Rittergestallt à la Don Quichotte werden? Soll man vor lauter Frust in die Innere Immigration gehen, um dann am Ende mitzuerleben,  wie einem der Boden unter den Füßen weggezogen wird? Muss man sich andere Wege, als die klassische Öffentlichkeitsarbeit suchen?

Ganz habe ich diese Frage noch nicht mit mir ausmachen können. Nur eines ist für mich klar, es muss weitergehen! Wir Bauern dürfen uns nicht in die Ecke drängen lassen. Doch wie es weitergeht, vor allem wie viele persönliche Ressourcen man überhaupt noch neben der Kernarbeit zur Verfügung haben wird, das lässt sich im Moment kaum vorhersagen. Durch die politischen Weichenstellungen, insbesondere die neue Düngeverordnung und das geplante Ende des Kastenstandes, werden viele, besonders kleinere Betriebe, in eine existentielle Krise geraten. Trotz aller Lippenbekenntnisse zur bäuerlichen Landwirtschaft, wird politische und medial grade der Strukturwandel-Turbo gezündet. Große Zeiten stehen dabei für andere an, denn ausgestattet mit einem Verbandsklagerecht werden schier unermessliche Einnahmequelle für NGOs geschaffen. Das Absehbare Verbot für Glyphosat in Europa wäre ein riesiger PR-Erfolg für diese Spendensammelindustrie und würde endgültig einen Beweis für ihre politische Macht darstellen, während man sich anderorts, in den Chefetagen der Agrarchemieunternehmen vor Freude die Hände reiben wird. Dank der einstigen Gegnern der Chemiebranche, wird es bald ein ungeheuer potentes und damit lästiges, billiges Generika weniger am Markt geben und somit freie Bahn für ihre hochpreisigen Spezialherbizide schaffen. Gleichzeitig hat man selbst die Angstmacher-Vereine vom Hals, so lange sie sich an der Landwirtschaft rummühen. Da möchte man doch gerne mal einen Blick in die Spendenlisten mancher „Umwelt“-Verbände werfen… Wenn sich diese Taktik mal nicht eines Tages als Bumerang herausstellt!

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