Schlagwort-Archiv: Agrarpolitik

Ein Gefühl der Ohnmacht

Es ist offensichtlich, der Landblogger ist seit ein paar Monaten regelrecht verweist. Auch an anderen Fronten der landwirtschaftlichen Öffentlichkeitsarbeit habe ich mich zuletzt, obwohl eine eigene Facebook-Seite für meinen Betrieb hinzukam, massiv zurückgezogen. Die Gründe sind einfach: auch meine Zeit und Kraft ist begrenzt und diese wurde in der vergangenen rund eineinhalb Jahren komplett durch Arbeit und Familiäres aufgezehrt. Es hat für die Seele auch etwas beruhigendes die elenden Debatten über die Landwirtschaft und unsere Wirtschaftsmethoden einfach einmal auszublenden. Nur leider verhält es sich hiermit genauso, wie mit jeder Art der Realitätsverweigerung: wenn man erwacht, findet man die alten Probleme genauso wieder, wie zuvor. Allein der Berg der alten Probleme hat sich während dieser Zeit noch weiter aufgetürmt und neue Probleme sind obendrein noch hinzugekommen.

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Bauernsterben

http://www.zeit.de/2016/50/selbstmorde-schweizer-kanton-waadt-bauernpfarrer

Zu diesem Artikel könnte ich einigea schreiben und ausführen, doch meines Erachtens nach, würde nichts dem was dort beschrieben steht gerecht werden. Die Gesellschaft, aber allen voran Politik und Medien sollten diesen Artikel einmal auf sich wirken lassen und einmal darüber nachdenken, welchen Umgang man derzeit mit uns Bauern in der Öffentlichkeit pflegt.

Das Bio-Katastrophenjahr

http://m.faz.net/aktuell/stil/drinnen-draussen/oekoweinbau-vor-dem-aus-14430589.html#GEPC;s2

Wer vor rund 15 Jahren,  als der staatlich propagierte Bio”boom” seinen Lauf nahm, vor katastrophalen Ernteausfällen wie in düsterer Vergangenheit warnte, erntete seinerzeit nur Spott. Es folgte der Denkweise von Impfgegnern, wenn suggeriert wurde, das seuchenhafte Pflanzenkrankheiten oder epidemische Schädlingsausbreitung mit ihren verheerenden Folgen, wie 1918 im Steckrübenwinter oder 1845 in Irland heute nicht mehr vorkommen könnten. Jahrelang schient das ganze auch zu funktionieren. Bio produzierte zwar mit mehr Arbeitsaufwand nur den halben Ertrag, aber was war man nicht alles bereit für die gute Sache zu tun. Daß im Biobereich auch gespritzt wurde und das mit deutlich unweltschädlicheren Mitteln als im konventionellen Bereich, wurde dabei gerne ausgeblendet. Es brauchte tatsächlich eineinhalb Jahrzehnte, um zu zeigen daß großflächiger Bioanbau ein Spiel mit dem Feuer ist, ein gefährliches Spiel mit unserer Nahrungsmittelversorgung, die für viele ausschließlich aus dem unerschöpflichen Quell des Supermarktregales zu sprudeln schien.

Oliver Bock stellt hier in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung einen Bereich heraus, den es dieses Jaht besonders hart getroffen hat, den Bioweinbau. Die gleiche Problematik traf aber auch weite Teile des organischen Kartoffelbaus bei der Bekämpfung der Kraut- ubd Knollenfäule. Das umweltgefährdende Schwermetall Kupfer war bei ständigen Nieselregen und dauernder Blattfeuchte nicht in der Lage den Erregern nennenswert Paroli zu bieten. Wie sehr auch die Biolandwirtschaft auf Pflanzenschutz angewiesen ist, trat tatsächlich erst jetzt für die Öffentlichkeit deutlich zu Tage, als dir Biolanfwirte nach mehr Möglichkeiten schrien.
Selbst den Getreidebau hat es dieses Jahr hart getroffen. In der Schweiz wurden dank eines Förderprogramms zum Verzicht auf Fungizide (Pilzbekämpfungsmittel) statt wertvollem Brotgetreide tausende Tonnen Sondermüll produziert (Mit blauem Auge davongekommen). Wenigstens ist man dort ehrlich genug es auszusprechen, daß dieses in der Vergangenheit zur Hungersnot geführt hätte und es heute allein deswegen nicht der Fall ist, weil man mit ausreichenden Geld sich ersatzweise vom Weltmarkt bedienen kann. Das reiche Europa kauft somit den hungernden und armen Kindern der Dritten Welt die Nahrung vor der Nase weg um selber weiter einen fälschlich grünen Weg gehen und predigen zu können.

Afrika hungern lassen

https://schillipaeppa.net/2016/10/01/lasst-afrika-in-ruhe/

Was am 07.Juni diesen Jahres im EU-Parlament als Resolution verabschiedet wurde, kann einem schon mehr als schockieren. Mit der Forserung Grüne Gentechnik aus Afrika fernzuhalten, wurde nichts weniger beschlossen als Afrika von einer der Zukunftstechnologien des 21.Jahrhunderts und einem wichtigen Bauszein zur Bekämpfung des Hungers ausschließen zu wollen!

Auf ihrem Blog Schillipaeppa.de präsentiert Susanne Günther die Übersetzung eines eindringlichen Briefes eines kenianischen Bauern, der die EU-Parlamentarier aufruft, endlich die koloniale Bevormundung Afrikas zu beenden und die Afrikaner endlich ihren eigenen Weg gehen zu lassen.

Die im Anschluß präsentierten Zitate aus Resolution und von Abgeordneten lassen ebenso aufhorchen. Maria Heubuch von Bündnis 90/Die Grünen sieht es sinngemäß als schweren Fehler an, daß die von Norman Borlaug angestoßene Grüne Revolution bisher unzähligen Millionen Menschen das Leben gerettet hat. Einen Fehler, den man in Afrika nicht wiederholen dürfe, weil ansonsten die Zahl der landwirtschaft Betriebe und die Biodiversität abnehmen könne. Grade, wer wie ich, schoneinmal die durch extensive Viehhaltung leergeräumte und restlos abgraste Landschaft, die weite Teile des Senegals ünerzieht, gesehen hat, wird sich auch bei Angst um die Biodiversität an den Kopf packen.

Die Brandstifter

https://schillipaeppa.net/2016/03/01/es-brennt/

Egal um welches Thema es unserer Tage geht, sachliche Diskussionen sind Mangelware geworden. Wer Macht und Einfluss erreichen will, muss mit Emotionen arbeiten. Emotionen sind für eine zielorientierte Problemlösung nicht nur nachteilig, nein sie sind auch gefährlich, gefährlich wenn man jeden der nicht die eigene Meinung teilt als Bedrohung der eigenen Existens und moralisch minderweriges Individuum darstellt. Meine Bloggerkollegin Susanne Günther fasst dieses Phänomen in ihrem Beitrag “Es brennt!” auf ihrem Blog schillipaeppa.net treffend am Beispiel Glyphosat zusammen. Wie bereits erwähnt, das genannte Schema lässt sich derzeit auf fast alle öffentlichen Themen ausweiten und gibt zu denken, wohin eine derart emotional aufgeladene Gesellschaft steuert.

Selbstgemachte Probleme

http://wr.m.derwesten.de/dw/staedte/hagen/nitrat-belatung-eu-kommission-kritisiert-bundesregierung-id11319446.html

Ein paar Wochen herrschte gefühlt Ruhe, doch jetzt wird wieder zum Halali auf die Nitrat-Sau geblasen um sie so durch jedes Dorf zu treiben. Die EU-Kommission ermahnt die Bundesregierung etwas gegen die angeblich zu hohen Nitratwerte im Grundwasser zu unternehmen. Diese ziert sich aber, vermelden doch die Wasserwerke das sauberste Grundwasser seit Jahren (Versiffte Brunnen und geschönte Statistiken). Statt dessen macht sich die Meute der meist grünen Landesumwelt- und einiger Anti-Landwirtschaftsminister auf um nachzusetzen und ihr Lieblingsfeindbild, die konventionelle, industriebäuerliche oder bäuerlich-industrielle Landwirtschaft endlich zur Strecke zu bringen, in der sie nicht nur den Hauptverursacher des angeblichen Nitratproblems sondern auch gleich noch einen Schuldigen für alle anderen Sorgen der Welt, angefangen von Hunger, über Klimaerwärmung, Krieg, Flucht, Urwaldrodung usw. sieht.

Natürlich wehrt sich unsereins indem er ruhig und sachlich auf die bereits erwähnten Wasserwerke verweist. Doch was interessieren einem die Wasserwerke und unser Versorgungsnetzt? Wir sind ja nicht der Rest Europas! Schuldergeben wie wir Deutschen sind, melden wir nicht irgendwelche Brunnen nach Brüssel. Für Europa nur das Beste, also halt auch nur unsere besten Siff-Brunnen mit den astronomischsten Nitratwerten. Das passt manchen Grünen dann zwar auch nicht, weil es dann ja so aussehe als hätte man ein so dünnes Messnetz wie nichteinmal in Zentralsibieren, aber egal der Zweck heiligt bekanntlich die Mittel, so kann das Land mit einem der saubersten Grundwässer Europas wenigstens stolz von sich behaupten Nitratweltmeister zu sein.

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Diese Abbildung zeigt die Verteilung und den Belastungsgrad mit Nitrat der gemeldeten Messbrunnen in Europa.
Quelle: http://www.hlug.de/fileadmin/dokumente/wasser/hydrogeologie/Fortbildungs-_und_Vortragsveranstaltungen/Grundwassertag2014/Messnetz_Nitratrichtlinie_Neumann.pdf

In der Präsentation (Quelle), der das Bild entstammt, finden sich dazu weitere Informationen, bzw es wird noch näher auf das geschilderte Problem eingegangen, als ich das hier an dieser Stelle tun möchte.

Leider gibt es für den Titel des Nitratweltmeisters weder frenetische Autokorsos noch einen Preis zu gewinnen. Es gibt leider nur einen Preis zu zahlen,  was sicher wiedereinmal wir Bauern übernehmen dürfen: Dankeschön!

Preisgekrönte Hetze

Wodurch zeichnet sich eigentlich Qualitätsjournalismus aus? Als gewöhnlicher, normaler Leser, würde man sicherlich behaupten, das es auf die Inhalte ankommt. Solche Fehleinschätzung können aber nur von einem sehr gewöhnlichen Leser stammen. Für den Journalisten mit hohem Qualitätsanspruch ist die Beantwortung dieser Frage jedoch ein Leichtes. Es kommt auf die Preise und Auszeichnungen an, die man von seinen Qualitätsjournalisten-Kollegen für seine Arbeit bekommt. Dass die Inhalte, die dabei verzapft wurden, nebensächlich bis belanglos sind, beweist nun ein weiteres Mal mehr ein Beispiel aus der Landwirtschaft. Vor rund einem Jahr begann die Wochenzeitung Die Zeit ihre Serie „Die Rache aus dem Stall“ (Zeit Hetze nicht hinnehmen). Inhaltlich war dieser Artikel geradezu hanebüchend mit offenen Übergängen zur Hetze. Auch die angeblich aufwändigste Recherche seit Bestehen der Bundesrepublik, die diesem Artikel zu Grunde gelegen haben sollte, konnte nur wenige Tage später durch die taz entzaubert werden (Zeit der Blamage). Zum ersten Mal kam es jetzt zu massiven Widerstand innerhalb der Landwirtschaft. Eine Demonstration vor dem Redaktionsgebäude, hunderte Leserbriefe, einer durch Spenden finanziertes Großanzeige (Wette verloren, ein Gewinn für die Landwirtschaft) sowie der nach Dutzenden Eingaben ausgesprochene Hinweis des deutschen Presserates aufgrund mangelnder journalistischer Sorgfaltspflicht schien die Macher der Zeit zumindest nach außen völlig kalt zu lassen. Doch trotz aller Kritikunfähigkeit der schreibenden Zunft, hätte man diesen Streit inzwischen beilegen können, wären die Autoren für ihren Artikel nicht in der vergangenen Woche mit dem Ernst-Schneider-Preis ausgezeichnet worden. Prinzipiell stellt dies keinen neuen Umstand dar, da bereits im vergangenen Jahr eine „Doku“ der ARD, die amtlich bestätigt auf gefälschten Videomaterial beruhte, von der Deutschen Akademie des Fernsehens prämiert wurde (Posse des Jahres). Ihr Macher Edgar Verheyen hingegen unterließ es nach der Preisverleihung nochmal neues Öl ins Feuer zu gießen. Anders als der Zeit-Autor Christian Fuchs, der kaum ausgezeichnet triumphierend auf Facebook kundtun musste, dass für ihn die deutsche „Agrarlobby“ schlimmer sei als sämtliche Nazis Scientologen und Geheimdienste der Welt (http://www.topagrar.com/news/Home-top-News-ZEIT-Artikel-Toedliche-Keime-mit-Journalismus-Preis-ausgezeichnet-2598850.html).

Diese Verachtung einem Personenkreis gegenüber, der nichts anderes tat als sich falsch Behauptungen, Diffamierung und Hetze gegenüber zu wehren, beweist einmal mehr mit welcher Intuition bereits vor einem Jahr der besagte Artikel in der Zeit verfasst wurde. Immerhin mischt sich dieses Mal mit Gitta Connemann (stellvertretende Fraktionsvorsitzende CDU/CSU) auch die Politik in die Debatte ein. Während vor einem Jahr aus den Reihen der taz es auch journalistischen Gegenwind gab, scheint man heute über die verschiedensten Redaktionsstuben hinweg zusammen zu halten, anders lässt sich der Artikel von Jan Grossarth in der FAZ nicht erklären (http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/landwirtschaft-die-rache-der-bauernlobby-13898308.html), indem er sein Unverständnis darüber äußert wie man sich überhaupt gegen diese qualitätsjournalistischen, persönlichen Diffamierung wehren könne.

Eines wird dieser Tage deutlich, von Seiten der Politik und der Presse hatte man offensichtlich mit keinem nennenswerten Widerstand der Landwirtschaft gegen die Agrarwende- und Ökologisierungspläne gerechnet. Erst recht hatte man keine individualisierte Graswurzelbewegung auf dem Plan, die in diversen sozialen Foren engagiert und sachlich gegen die Falschbehauptungen an diskutiert, die Demonstrationen und Aufklärungskampagnen organisieren und die sich vor allem, nicht mundtot machen lassen. Denn anders als allzu oft suggeriert wird, steht hinter ihnen keine verschworene Lobby, die ihre Aktion zentral organisiert. Es sind maßgeblich Bauern die mit den alltäglichen Auswirkungen der politischen und medialen Kampagnen zu kämpfen haben und daher glaubwürdiger als alle anderen ihre Anliegen transportieren können. Diese ungeahnte Gegenwehr ist es, die diese allergischen Reaktionen der Journalisten hervorruft und den Ton rauer werden lässt!

Welttag der Ernährung

Es gibt unzählige und zum Teil kurios wirkende Gedenktage. Auch auf dem heutigen 16. Oktober lag ein Gedenktag, der alles andere als kurios ist, aber wohl dennoch von den meisten unbemerkt blieb: der Welttag der Ernährung.

Es ist schon symbolisch, daß wir ihm in unseren Breiten sowenig Aufmerksamkeit schenken, haben wir doch mit dem Steckrübenwinter 1918/19 die letzte katastrophale Hungersnot in Europa noch im letzten Moment abwenden können. Was für uns selbstverständlich ist, ist für die meisten Menschen unvorstellbarer Luxus: mit Essen übervolle Regale in Supermärkten die quasi 24/7 geöffnet haben. Rund die Hälfte der Weltbevölkerung ist unzureichend ernährt, ein kanppes Achtel leidet unter Hunger.
Die Zahl derer die hungern nimmt Jahr für Jahr ab, für uns alle müsste es zu langsam sein, denn es sind immerhin 750 Mio Menschen deren Gesundheit, bzw ihr gesamtes Leben durch Mangelernährung bedroht sind. Das es trotz aller Programme nicht schon längst deutlich weniger geworden sind liegt an einem gern unterschätzten und ausgeblendeten Faktor, der explodierenden Weltbevölkerung.

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Druck von allen Seiten

http://m.haz.de/Nachrichten/Politik/Niedersachsen/CDU-und-FDP-attackieren-Agrarminister-Christian-Meyer-bei-Sitzung-im-Landtag

Als am vergangenen Freitag der vom Landvolk organisierte Demonstrationszug vor dem niedersächsischen Landwirtschaftsministerium halt machte, sorgte es in der Menge der Teilnehmer für gewissen Unmut, als sich nicht, wie erhofft, der Hausherr selbst, sondern lediglich ein Staatssekretär den Anliegen der Menge stellte. Da k diesen Artikels der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung ist nun aber klar, daß der Minister sich zu dieser Zeit einer ganz anderen wütenden Menge stellen musste: der Opposition im hannoverschen Landtag. Daß seine Politik, seine mangelnde Kompetenz und vor allem seine moralischen Fähigkeiten untauglich für einen Ministerposten welcher Art auch immer sind, ist auch in den Reihen der Opposition klar, vermutlich auch in großen Teilen der SPD-Fraktion. Trotzdessen der Minister nun Druck von allen Seiten bekommt, wird er wohl dennoch, dem Koalitionsfrieden wegen, weiter auf seinem Stuhl kleben bleiben. Bisher hat noch keiner seiner Skandale und Verfehlungen ihn stürzen können. Dennoch, der Wind wird härter, der ihm entgegenblässt. Zukünftig wird man ihm umso stärker auf die Finger schauen!