Ein Haufen freier Bauern

Dass es in uns Bauern brodelt, wie Medien und Politik mit uns umgehen, zeigte sich vorletzten Samstag eindrucksvoll in Berlin. Mit der  „Wir machen euch satt“-Demo wurde zum ersten Mal im großen Rahmen institionalisiert, was seit rund zwei Jahren zunehmend im Internet und besonders den sozialen Netzwerken von Statten geht: Der Aufstand der Bauern gegen das mediale Zerrbild.
Doch so eindrucksvoll diese Demo auch war und so elementar wichtig ihre Weiterführung ist, das Schaffen einer Institution birgt immer auch ein Risiko.

Noch haben wir es nicht geschafft alle deutschen Bauern zum Mitmachen bei der neuen Öffentlichkeitsarbeit zu bewegen und das Entstehen einer Institution, von Köpfen kann all zu schnell zu einer „Ach da kümmern die sich schon drum“-Mentalität führen.

Ein Apell, den ich so wohl nie hätte formulieren hätte können stammt hierzu von Brigitta Blume, die vielen sicher aus den verschiedensten Diskussionen in.den sozialen Medien bekannt sein dürfte. Ihr sei ein ganz herzlicher Dank für diese Worte ausgesprochen!

„Zu Anfang gab es da ein paar unzufriedene Bauern. Die die Nase voll davon hatten, angefeindet zu werden. Was kann man machen mit einer Handvoll Leute? Graswurzelarbeit, Moskito-Taktik. Hier und da und dort verteilt man ein paar Anmerkungen, auch Spitzen, oder klärt auf. Das passiert, wenn eine ganze Gruppe in einer Bevölkerung unzufrieden wird, immer öfter. Es gibt immer mehr unzufriedene Inseln. Man begegnet sich. In Foren, bei den entsprechenden Kommentaren, man merkt, daß man nicht allein ist, und es werden immer mehr.

Das wird dann für diejenigen, die die Meinungshoheit haben, ein Bißchen lästig. Weil sie aber eigentlich gar keinen greifbaren Gegner haben, bleibt denen auch nichts anderes über, als auf „Alle Bösen Bauern“ draufzuhauen. Haben sie getan, geht ja schon ein zwei Jahre so und wird folgerichtig, weil man bei „gegen alle“ („Massentierhaltung“, „Agrarindustrie“ , all die schönen Worthülsen) immer zwangsläufig ins Leere haut, auch immer schlimmer, ungefähr bis Report Mainz.

DAS nun wieder macht noch mehr von denen, die sich als „Alle“ fühlen, unzufrieden und wütend und man spricht sich ab, man hilft sich, es entsteht so eine Art „Bewegung“. Aus den Mückenstichen werden reelle Angriffe auf die Meinungshoheit, man lebt als Journalist , als Verein, als NGO und als Partei mit solchen Ansichten plötzlich unbequem. Man wird hinterfragt. Aber von wem ??? Da ist ja irgendwie keiner!!!

Nächste Stufe: „Das ist alles Lobby“. Irgendeine Schublade muß doch passen. Nur, schade, das haut auch wieder ins Leere. Weder BV noch Politik, keine Partei, kein Verein, keine Firma, es läßt sich einfach keiner Ausmachen, auf den man so richtig draufhauen kann, das sind (plötzlich) so viele, die wuseln überall rum, und kaum hat man einen am Wickel, wie zB Nadine und Heinrich zu Anfang, tauchen NOCH MEHR auf!!!! Auf die man auch wieder nicht draufhauen kann, weil immer noch kein „richtiger Gegner“ da ist. Man haut ja nicht auf einzelne Menschen. Als Partei haut man sich mit anderen Parteien, als Verein haut man sich mit anderen Vereinen, als Firma haut man sich mit anderen Firmen, und als AbL mit dem BV – aber was, wenn es das alles nicht gibt ?

Letzte Chance: man statuiert ein Exempel. Man richtet irgendjemanden von den Betroffenen öffentlich hin. Im Prinzip egal wen, Hauptsache öffentlich und es muß Blut fliessen. Vielleicht kriegen die anderen Angst und halten den Mund, oder es kommt wenigstens ein „Teile und Herrsche“ dabei raus.
Hat auch nicht geklappt. 

Das alles bitte mal sacken lassen. DAS ist nämlich RICHTIG EKLIG für jemanden, der es gewöhnt ist, Massen mit Schlagworten zu bewegen, oder von Massen gewählt werden will, weil er „jemanden darstellt“. Keinen richtigen Gegner zu haben , sowas gefährdet den Schlaf derer, die bis dato satt in ihren Sesseln saßen, und „alles im Griff hatten“ .

Das Problem mit einem Haufen unzufriedener Leute ist ja aber so neu nicht. Das gab es schon immer, und es gab auch schon immer Strategien dagegen. In Diktaturen ist das leicht, da darf man auch jede Menge Einzelne erschlagen. In Republiken oder Fürstentümern oder in einer Demokratie schon nicht mehr, da ist man auf ein gewisses Wohlwollen der Leute angewiesen wenn man nicht hinterrücks erstochen oder abgewählt werden will. Was tut man also?

Anleitung von 1513, von einem Herrn Machiavelli, in einem Schulbuch für einen Fürsten : man nehme aus einer Gruppe einige wenige zu sich, die man „sich gewogen macht“ . Die man zu Ansprechpartnern anerkennt, und denen man vermittelt, man sähe sie als Sprecher aller anderen an. Dann hat man a) so getan, als nähme man alle Unzufriedenen für voll, das ist schön. Man hat sich aber auch b)HANDGESTRICKTE GEGNER GESCHAFFEN. Das ist nur für diejenigen schön, die solche Gegner brauchen! Als Nebeneffekt hat man c) noch die voher friedliche Versammlung Einzelner angepiekst, sich plötzlich als Gruppe zu fühlen und folgerichtig um irgendwelche Posten und allen möglichen Kleinkram zu zanken. Und GENAU SO sind bisher alle mißliebigen Leute in diesem Land „aufgesogen“ worden. Man sucht sich Leute, macht einen Verein, Partei, wasauchimmer, verteilt ein paar Poste und die Posten verteilen ein paar Almosen, und alles bleibt beim alten. Ist den Grünen auch so gegangen, warum soll es den Bauern anders gehen?

Ich weiß nicht, ob das so rüberkommt wie ich es meine, deswegen nochmal erklärt: es geht NICHT gegen Einzelne, es ist auch vollkommen egal, wer was tut und wer wo hinfährt, und selbstverständlich soll man mit jedem, der einen danach fragt, REDEN. Aber egal ob Termin beim Minister, Einladung zu Verbänden oder zu irgendeinem Sender, das einzige, was (meiner Ansicht nach) auch langfristig den Bauern etwas nutzt, ist Crowd. Unabhängigkeit. Ich (egal wer) stehe hier als Person, als Individuum. Es gibt viele, die in diesem oder jenem Punkt meiner Ansicht sind, aber es gibt eben keinen, der „für alle“ aussagt. 

Ein Haufen Freier und Gleicher ohne „Leitung“ und ohne Struktur hat keine Angriffsfläche, das ist bisher unser erfolgreichstes Alleinstellungsmerkmal gewesen, hat im Lauf der Geschichte schon bei Friesen und Schwaben funktioniert, und meiner Ansicht nach gibt es nichts, wirklich absolut gar nichts Wichtigeres als das. Das ist nicht leicht, und auch ungewohnt, und man braucht eine Menge Umdenken. Aber IMHO hat es bisher echt gut funktioniert!“

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