Freiwillige Selbstverstaatlichung?

http://www.taz.de/Misere-der-franzoesischen-Landwirtschaft/!5215694/

Jost Maurin von der taz ist immer wieder für Überraschungen gut wenn es um seine Berichte zur Landwirtschaft geht. Diesen huer kann man als durchaus positiv für die Deutschen Bauern bezeichnen, denn er entlarvt zumindest oberflächlich die Scheinheiligkeit des französischen „Bauernaufstands“, der zwei typisch französische Feinbilder pflegt: die Regierung und Deutschland.

Ehrlicherweise hätte man das Thema noch deutlich vertiefen können, ist doch ein großer Teil der französischen Misere hausgemacht. Egal was in unserem Nachbarland schief läuft, seine Identität beweist man allzu gern dadurch daß im in gewisser Regelmäßigkeit aufs neue (wenn auch deutlich abgemildert und ohne Fallbeil) die Revolution ausruft. Schon aus vorherigen Protesten haben sich dabei die Landwirte der Grand-Nation dadurch hervorgetan bürgerkriegsähnliche Zustände herzustellenden. Hier in Deutschland mag das unter Standesgenossen gewisse Sympathien hervorrufen, benimmt man sich hier doch quasi komplett diametral, zielführend ist es dennoch nicht. Ähnliche Proteste  der Vergangenheit haben letztlich zu der weitestgehend sozialistischen Marktordnunh des Landes geführt. Das ausgerechnet die deutsche Landwirtschaft zu Frankreichs Ungunsten verzerrt sein soll ist angesichts des massiven Protektionismus der Branche in unserem Nachbarland geradezu absurd. Trecker bedürfen dort weder Tüv noch Zulassung und fahren mit verbilligten Heizöl durch die Gegend. In den Ställen stehen Rinder mit kupierten Schwanzen und Gänsen deren Leber durchs Stopfen mittels Trichter extremst vergrößert sind, während über ihnen die Lampe dank hochsubventionierten Atomstrom für zwei, drei Cent, quasi umsonst brennt. Pflanzenschutzmittel die in Deutschland längst verbannt wurden zählen hier noch zum Standardrepertoire. Alles in allem hätten wir eigentlich Gründe uns zu beschweren.

Doch Frankreich tickt anders. Schaffte ein Unternehmen es trotz, bzw gerade wegen, aller protektionistischen Bemühungen nicht mehr mit dem Wettbewerb mitzuhalten wurde es einfach verstaatlicht und man machte heiter weiter wie bisher. Hat man doch bis heute annähernd 300 Mio Menschen in seinen „Ex“Kolonien, die Dank durchdachter Vertragswerke bevorzugt französische Waren beziehen, egal wie teuer oder rückständig sie sein mögen. Statt als Hobbyrevolutzer und freiwilliger Grenzschützer seine Zeit zu verbringen sollte man sich unsere französischen Berufskollegen lieber daran setzen, wie sie ihre Betriebe in einer Marktwirtschaft unter Wettbewerbsbedingungen erfolgreich entwickeln können. Ein Schritt der nach jahrzehntelanger Verhätschelung sicher schmerzhaft ist, bzw. für manche finanziell wohl nicht mehr möglich sein wird. Alles andere wäre nur ein Herauszögern der Katastrophe mit evtl den gleichen Weg den große Teile der Industrie im Hexagon bereits beschritten ist: der Verstaatlichung!

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