Und täglich grüßt die Profitgier-Keule

Neben der obligatorischen Unterstellung der Tierquälerei gibt es wohl kaum einen Vorwurf den wir Landwirte und speziell die Tierhalter unter uns, häufiger anhören müssen als die Unterstellung der Profitgier. So unspezifisch dieser Begriff ist, so schlecht lässt sich auch gegen ihn argumentieren. Nur was steckt tatsächlich dahinter? Warum werden ausgerechnet die Worte „Profit“ und „Gier“, statt diverser Synonyme verwandt?

Betrachten wir zunächst den Profit: Laut Brockhaus versteht man darunter schlichtweg einen Nutzen, beziehungsweise noch profaner wird er in der Marxschen Lehre als Mehrwert definiert. Also könnte man ihn statt dessen auch Gewinn oder bei den meisten Haupterwerbslandwirten auch einfach Einkommen nennen. Der große Unterschied liegt aber darin, daß dem Profit, denn ein Einkommen braucht ja jeder und einen Gewinn hätte jeder gern, ein Negativimage anhängt. Profite erwirtschaftet man nach dieser Logik nur mit verwerflichen Methoden, also muss auch derjenige der Profite hat, böse sein. Zusätzlich wird das Ganze dadurch unterstrichen, daß das Wort Profit eine schroffe Melodie hat, die somit etwas Brutales transportiert. Im Gegensatz dazu stehen die diversen Umwelt-, Tier- und Sonstige-Schützer mit ihren Non-Profit-Organisationen. Wenn der Profit böse ist, dann muss man mit dem Label Non-Profit zwangsläufig das personifizierte Gute sein!

 Manchen mag diese Erklärung ziemlich bei den Haaren herbeigezogen erscheinen, jedoch darf man dabei nicht vergessen, dass das Klientel das mit diesen Begriffen arbeitet in der Regel über einen hohen Bildungsgrad verfügt. Damit ist auch ein umfangreiches Wissen über die Wirkung bestimmter Wörter und Begriffe verbunden, welches man nicht unterschätzen sollte. Die PR Abteilungen der großen “ Weltretter“-Organisationen verfügen über nicht unerhebliche Ressourcen, die sich ausschließlich damit beschäftigen, mit welchen Bildern und Begriffen sich am meisten Emotionen wecken lassen. Bestes Beispiel hierfür war erst vor Kurzem die BUND-Kampagne „Pestizide: Gemacht um zu töten“ (Quelle). Diese Art des verbalen Klassenkampfes sollte man in keinster Weise unterschätzen. Vielmehr müssen wir uns selbst dringend darüber Gedanken machen, mit welchen Wörter und Begriffen wir zukünftig agieren. So lächerlich es auch erscheinen mag, so wichtig ist es im Ende, weil schon zu vielen an sich neutrale Begrifflichkeiten bewusst ein Makel angehangen wurde.

Gegen die Gier wird schon seit Jahrhunderten von den Kanzeln unserer Kirchen gepredigt, immerhin gilt sie als eine der sieben Todsünden. So wenig fromm die moderne Gesellschaft auch sein mag, dank Hollywood hat die Gier diesen Ruf in die Neuzeit retten können. Mit „Gier ist gut! Gier ist richtig! Gier ist gesund!“ verlor der Hauptcharakter Gordon Gekko im Achtzigerjahre-Klassiker „Wall Street“ nicht nur die Sympathie der härtesten Zuschauer,nein er bekam zum Schluß auch ganz ohne Gott seine gerechte Bestrafung für diese Lebenseinstellung. Davon mal ganz abgesehen, so ziemlich jeder von uns kennt einen gierigen Menschen und weiß damit aus eigener Erfahrung, daß diese Wesenseigenschaft nicht gerade zu den positivsten gehört. Gierige Menschen sind meistens einsam, weil jede soziale Beziehung immer auch das Geben beinhaltet.
Hier liegt schon der erste Schlüssel für die Erklärung des Begriffes „Profitgier“. Dem Landwirt wird somit nicht nur unterstellt, daß sein Handeln etwas ungesundes und unnatürliches, ja sogar sündhaftes darstellt, nein man impliziert mit diesem Begriff auch, daß er aus rein egoistischen Motiven, völlig einsam und isoliert handelt. Schaut man sich die vielen Runden Tische und ähnliches an, bei denen zwischen den verhärteten Fronten bei Stallbauprojekten vermittelt werden soll, dann kann sich dieser Eindruck all zu leicht erhärten. All zu oft sitzt der betroffene Landwirt dort allein für seine Sache, während ihm eine große eingeschworene Gemeinschaft die sich den Schutz aller möglichen Sachen auf die Fahnen geschrieben hat, gegenüber sitzt. In der Sicherheit der Gruppe fallen dann schnell sämtliche Hemmungen zu verbalen Entgleisungen, während dutzende Ohren ganz genau jedes unangebrachten Räuspern des Delinquenten aufs Genauste registrieren.
Was ist aber nun dran am Vorwurf der Gier?

Ist jemand mit 2250 Euro monatlichem Einkommen ein gieriger Industriemanager? Kaum jemand würde auf diese Idee kommen, aber genau dies wird mit dem Begriff Profitgier transportiert. Immerhin passt es auch hervorragend zum Feindbegriff „Industrielle Landwirtschaft“ mit dem meistens genau die bäuerlichen Familienbetriebe gebrandmarkt, als dessen Fürsprecher man sich gerne definiert. Der landwirtschaftliche Situationsbericht 2012 (Quelle) weist ein Jährliches Einkommen je Arbeitskraft von 27.100 € auf, Tendenz fallend. Will ein Kind nach erfolgreicher Ausbildung den Familienbetrieb nun übernehmen und ist sein derzeitiger Bewirtschafter noch weit vom Rentenalter oder dem Ableben entfernt, heißt das, dass sich nun künftig zwei Leute dieses Einkommen teilen müssen. Sollte der Jungbauer noch auf die Idee kommen eine eigene Familie gründen zu wollen, wird diese Situation noch prekärer. Letztlich heißt das nichts anderes, als das mit dem Wunsch des Kindes den Familienbetrieb zu übernehmen, zwei Familie statistisch gesehen unter die Armutsgrenze rutschen würden (Quelle). Was abwertend als Profitgier verschrien wird, stellt letztendlich nichts anderes als den bescheidenen Wunsch nach einem Einkommen im unteren Mittelfeld für eine junge Familie dar!

 Hier wird offensichtlich, wie realitätsfern diejenigen sind, die diesen Kampfbegriff benutzen. Niemand von ihnen kommt auch nur annähernd auf die Idee, Arbeitern die für eine bescheidene Lohnerhöhung streiken Profitgier zu unterstellen. Oder würde ein Prominenter dies gar den Gewerkschaften, die an jeder Lohnerhöhung prozentual mitverdienen, andichten, wäre der Aufschrei in den Medien wohl kaum zu überhören. Letztenendes äußert sich hierin auch eine arrogante und herabwürdigende Einstellung gegenüber selbstständigen Landwirten. Während gerade ein gesetzlicher Mindestlohn von 8,50 € geschaffen wird, unterstellt man Landwirten, welche versuchen ein ähnliches Stundeneinkommen zu erzielen Profitgier. Noch offensichtlicher lässt sich kaum noch darstellen, welchen Stellenwert der bäuerliche Familienbetrieb in der Politik und der Diskussion links-ökologischen Interessenverbände tatsächlich hat.

 Ganz lässt sich dieses Problem aber auch von dieser Seite nicht leugnen. So feiert der niedersächsische Landwirtschaftsminister Meyer, dass er maßgeblich daran mitgewirkt hat, dass es in den neuen EU-Direktzahlungen eine Junglandwirte-Prämie gibt (Quelle). Wer unter 40 ist und einen landwirtschaftlichen Betrieb übernimmt, kann so fünf Jahre lang je 2500 € zusätzlich bekommen. Nach der oben stehenden Rechnung kann er so seine junge Familie immerhin ein Monat lang knapp über der Armutsgrenze ernähren. Was sie die übrigen elf Monate machen soll, bleibt ungewiss.

So gerne linke Politiker alles allmächtig steuern möchten, so uneffektiv sind doch ihre Maßnahmen. Wer bäuerliche Familienbetriebe erhalten möchte, muss keine Almosen verteilen, sondern ihnen politische und gesellschaftliche Rückendeckung geben, damit diese sich nach ihren eigenen Vorraussetzungen in einer marktwirtschaftlichen Ordnung sicher für die Zukunft aufstellen können!

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