Das Tier als ganzes genießen

http://www.nzz.ch/meinung/kommentare/was-wir-eigentlich-sind-tier-werden-ld.107512

Die Schweizer pflegen eine bewundernswerte Mischung aus absoluter Perfektion und realistischen Pragmatismus. Das spiegelt sich in gewisser Weise auch in diesem Kommentar Samuel Herzogs in der Neuen Zürcher Zeitung wieder. Was sich anfangs noch wie eine unterhaltsame Polemik liest, findet in der zweiten Hälfte sogar zu einem sachlichen Ergebnis und einer klaren und nachvollziehbaren Aufforderung an den Verbraucher. In den letzten Jahrzehnten haben wir unsere Zivilisation offensichtlich immer mehr in die Richtung definiert, nicht mehr alles essen zu müssen. Dabei geht der Autor gar nicht mal auf die Entfremdung ein, die diese Entwicklung mitsich trug und heute zwischen Gesellschaft und Landwirtschaft zu Tage tritt. Immerhin lässt Herzog es fälschlicherweise so klingen, als würden große Teile des Nutztieres ungenutzt weggeworfen werden, was mit nichten der Fall ist. Vieles wird in die Länder exportiert, in denen diese von uns verschmähten Teile als Delikatesse gelten. Wie sehr dabei Herzogs Vorwurf der Kulturarroganz zutrifft, merkt man dann, wenn man die Berichterstattung über Lebensmittel-, besonders Fleischexporte, verfolgt. Welche klar rassistsiche Konotation mitschwingt, wenn dort behaubtet wird, wir würden unseren „Müll“ und unsere „Schlachtabfälle“ in die Welt verschiffen, wird wohl den wenigsten tatsächlich klar. Der Chinese, der sein delikates Scheineohr genießt, oder der Afrikaner der sich aus Hühnerklein ein hervorragendes Frikassé oder eine Reispfanne nit Huhn bereitet, wird damit aber einfach  zum Müllschlucker Europas degradiert, der einfach zu dumm oder zu unterdrückt und damit zu arm sei sich ein vernünftiges Filet zu leisten. Jeder der über Agrarexporte schimpft, sollte sich anhand dieses Kommentars überlegen, ob er lieber die ungeliebte Teile in der Kadavertonne oder Fiffis Hundenapf sehen möchte und sollte dabei auch mal seine Essgewohnheiten, v.a. im Vergleich zu anderen Menschen und Kulturen hinterfragen. Wir leben in einer Zeit und auf einem Kontinent, die es uns materiell gestatten uns so zu ernähren, wie wir es selber wollen: mit oder ohne Fleisch, vegan, frutan, paleo etc. Das alles wird aber stets nur dann funktionieren wenn grade nicht die gesammte Menscheit das selbe tut!

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