Der Minister und der Mais…

Es war Mitte Januar diesen Jahres, als es Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer zurück in seine Universitätsstadt Göttingen trieb, um vor den jetzigen Studenten einen Abriss seiner Politik zu geben. Was er dabei übersah, daß die Göttinger Agrarfakultät großteils weder links noch grün und somit kein wirklicher Freund seiner Ideen ist. Woher sollte er es auch wissen, denn wie es inzwischen für einen Landwirtschaftsminister in Deutschland üblich ist, hat er in Göttingen nicht Agrarwissenschaften studiert, sondern einen bunten Strauß an Fächern, über Volkswirtschaftslehre, Öffentliches Recht, Politikwissenschaften sowie Medienwissenschaften belegt, welchen er mit dem Abschluß des des Diplom-Sozialwirts abschloss (Quelle).

Gerade der Umstand doch eher in Opposition zu Herrn Meyer zu stehen, bewegte dennoch viele Kommilitonen zu dieser Veranstaltung, so daß man sich kurz vor dem offiziellen Beginn noch gezwungen sah, den Hörsaal zu wechseln. Am Ende war auch der größte Hörsaal der Göttinger Uni mit offiziell knapp 900 Plätzen überfüllt. Nach einem eher dürftigen Vortrag, in dem Minister Meyer grandios sein frisch aufgeschnapptes landwirtschaftliches “Fachwissen“, à la er hätte mal gesehen und gehört und es gäbe ganz tolle Dinge, ging man zu einer Fragerunde über. Bis auf wenige Ausnahmen wurde dabei seine Landwirtschaftspolitik mehr als kritisch hinterfragt und jede noch so kritische Frage wusste er in guter Politikermanier unbefriedigend und inhaltslos zu beantworten.

 

Neben den Studenten hatte es auch einige weitere Gäste zu dieser Veranstaltung verschlagen, unter anderem den Geschäftsführer des Landvolkes Göttingen, Herrn Achim Hübner. Während seines Vortrages behauptete der Minister auf Grund seines “Fachwissens“, daß es längst nicht mehr nötig sei allein Mais für die zahlreichen Biogasanlagen anzubauen, denn es gäbe inzwischen Wildkräutermischungen, die mindestens die gleiche Leistung erbringen würden, die Landwirte seien bloß nicht offen genug für solche Neuigkeiten. Das wollte Herr Hübner nun genauer wissen und fragte den Minister wo man solche Kräutermischungen denn beziehen könne und wie denn die verschiedenen Zahlen dazu ausschauen würden, denn wenn diese stimmen würden, wäre man sofort bereit einen größeren Teil des Maises durch eben solche Mischungen zu ersetzen. Gekonnt umschiffte Herr Meyer jedoch auch hier jede konkrete Aussage. So einfach lies sich der Landvolkgeschäftsführer aber nicht abspeisen, sondern frage erneut und energischer ein weiteres Mal nach, diesmal mit dem konkreten Angebot, wenn man ihm diese Mischung vermitteln würde, würde man direkt zehn Hektar, noch in diesem Jahr damit bestellen und in der Biogasanlage in Roßdorf bei Göttingen testen. Zwar sicherte ihm der Minister zu sich darum zu kümmern, aber eine definitive Antwort war ihm genauso wenig zu entlocken, wie es wohl unmöglich ist ihn einmal nicht grinsend dabei zu sehen.

 

Acht Wochen sind seit dieser Veranstaltung nun vergangen und Donnerstag durfte ich in der aktuellen “Land und Forst“ (Nr. 10 2014) einen kurzen Zwischenbericht hierzu lesen. Passiert ist von Seiten des Ministerium indes, man ahne es, nichts! Dabei war das Angebot Herrn Hübners alles andere als ein Bluff. Eigentlich ist das Landwirtschaftsministerium, welches die große “Agrarwende“ so sehr forciert, in der Bringschuld uns Landwirten dann auch das passende Werkzeug hierfür an die Hand zu geben, stattdessen musste das Landvolk inzwischen zwei schriftliche Erinnerungen an das Ministerium schicken. Da diese unbeantwortet blieben, wandte man sich nun direkt an Ministerpräsident Weil sowie mehrere regionale Landtagsabgeordnete.

 

Von Seiten der Landwirtschaft ist man, anders als es der Landwirtschaftsminister gerne darstellt, mehr als aufgeschlossen für Neuerungen, schließlich werden Alternativen zum Mais aus diversen Gründen dringend benötigt. Wenn der Landesregierung soviel an der Agrarwende liegt, wie sie gerne behauptetet, dann sollte sie sich beeilen, denn daß Frühjahr ist inzwischen da. Wenn sich das Wetter so wie im Moment hält, wird in zwei bis drei Wochen die Maisaussaat beginnen und dann müssen auch die besagten zehn Hektar bestellt werden. Doch hierfür fehlt in Hannover anscheinend das entsprechende Fachwissen oder vielleicht auch einfach das Interesse, für die eigenen Forderungen auch wirklich einztustehen!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.